Da war doch irgendwas…?

Irgendwie habe ich mich ja schon mal geäußert zu dieser ganzen Sache mit den Tagen, die zu wenige Stunden haben, möchte ich meinen.
Es ist auch nicht so, als hätte ich hier im Blog keinen Finger krumm gemacht. Ich habe geschrieben, geändert, verworfen… wieder neu verfasst und auch das gelöscht, wieder getippt, erneut nicht gemocht und so weiter und so fort. Bestimmt fünf, sechs Beiträge sind so im virtuellen Müll gelandet und auch jetzt schon bin ich eigentlich wieder kurz davor, auf das kleine Eimerchen zu klicken, aber heute wird das nichts, das habe ich mir fest vorgenommen.
Was mein Problem war? (Also neben einer 24/7-Einspannung und sozusagen Bereitschaftsdienst rund um die Uhr – oh, wie ich leide!)
Ja, na ja… so recht kann ich das selbst nicht sagen. Ganz zu Beginn ging mein Gedankengang tatsächlich in Richtung „Kann ich darüber schreiben? Muss das sein?“  Wie blöde das war, wurde mir bald bewusst, schließlich war das hier von Anfang an als Strick-, Baby-, Katzenblog gedacht, da wird auch über Baby geschrieben, schwerer Start hin oder her! Außerdem habe ich für mich selbst das Gefühl, mich äußern zu wollen.
„Schwerer Start“ ist hierbei übrigens wohl etwa die Untertreibung des Jahrhunderts. Beschreibungen, die eher passen, habe ich in etwas mehr als acht Monaten in Form von Kommentaren Anderer gesammelt. Zwei bei mir sehr beliebte Äußerungen sind das simple „Ach, du Scheiße!“ (kurz, aber treffend) oder auch das eher… nennen wir es mal überraschende „Gratulier‘ den beiden bloß nicht, das Kind ist krank!“ (Moment… was?!)
Was da genau zu solchen Aussagen über den kleinen Erdenbürger und seinen Weg in die Welt führt, ist etwas, was man der Fachsprache weiße Asphyxie nennt. Das heißt auf deutsch einfach krasser scheißschwerer Sauerstoffmangel unter der Geburt, in unserem Fall hervorgerufen durch eine frühzeitige Plazentaablösung. Das passierte einfach mal so und ohne wirklichen Grund; ich sagte zu Beginn immer salopp, wir hätten Pech gehabt.
Das ist erstmal auch irgendwie nachvollziehbar, haben wir doch mittlerweile eine breite Palette dessen durch, was man da halt so mitmacht – Wiederbelebung, Beatmung, Sondenernährung, mal eben so vorsorgliche totale Überdosierung krasser Antiepileptika, begründet mit einem vorangegangenen epileptischen Status (was bedeutet, dass das Gehirn nicht mehr von selbst aus diesem Anfallszustand herauskommt). Ich habe mich mit sowohl sozial als auch fachlich inkompetenten Schwestern und Pflegern, Therapeuten und/oder Ärzten vergnügen dürfen, musste mir wahnwitzige Kommentare anhören – sei es darüber, dass ich nicht mehr zurechnungsfähig sei, weil ich darüber geweint habe, dass mein Baby große Schwierigkeiten hat (ich hätte wohl besser lachend durch die Klinik hopsen sollen, um meine emotionale Stabilität zur Schau zu stellen) oder darüber, dass der kleine Mann ja sowieso spastisch werde oder gar in der Richtung, dass ich mir bloß nicht zu viele Hoffnungen machen solle. Ich kann gar nicht alles aufzählen, was uns schon verrücktes passiert ist… und wahrscheinlich ist es auch besser so, so manches ist eh kaum zu glauben, wenn man es nicht selbst erlebt hat, aber sicherlich werde ich künftig immer mal wieder auf besonders einprägsame oder skurrile Erfahrungen eingehen.
… und doch – trotz allem hat mich vor Kurzem die Einsicht erreicht, dass es vielleicht gar kein Pech war, das uns da überrumpelt hat. Vielleicht ist der schwere Weg, den wir nun zu beschreiten haben, einfach eine tolle Chance, mal die Aussicht zu genießen und auf die ganzen Spinner zu pfeifen, die einem im Leben immer wieder begegnen. Allein in den letzten Monaten habe ich enorm viel gelernt, sowohl fachlich – was mir für meine Arbeit als Therapeutin eine wahnsinnig große Kompetenz im Umgang mit Patienten(kindern) und deren Eltern verleiht – als auch emotional – für mich selbst und mein Privatleben und den Umgang mit speziellen Problemen und Situationen. Wie unwichtig plötzlich gewisse Dinge werden können, die vor nicht allzu langer Zeit noch den sicheren Weltuntergang bedeutet hätten, ist ein unbeschreiblich befreiendes Erlebnis. Ich war schon immer etwas anders als der Durchschnittsbürger, wurde immer wieder mal wegen meiner Kleidung oder wegen meines Hangs zur ehrlichen Meinungsäußerung schräg angeschaut, aber das war offensichtlich nur eine leichte Vorübung, mein Training für jetzt und die Zukunft, wenn man es so nennen will.
Außerdem ist die Erfahrung über die Qualität, die Liebe erreichen kann, einfach überwältigend. Wie groß Freude werden kann, die man über eigenständiges Atmen, Trinken, das erste Lächeln oder andere augenscheinlich noch so kleine Fortschritte empfindet, ebenso.
Das kleine Würmchen, das gerade leise seufzend auf meinem Schoß eingeschlafen ist, hat bereits so viel erreicht, so viel gekämpft und so viele Kämpfe gewonnen, dass mir oft nur übrig bleibt, am Ende eines langen Tages innezuhalten und zu staunen… und froh zu sein, dass ich es begleiten darf, auch wenn die Zeit bisher unsagbare Belastungen mit sich brachte (von denen ich manchmal fast befürchte, dass ich später mal rückblickend darüber lachen werde, da sicherlich noch so einiges an Erschwernissen auf uns zukommen wird).
Ich bin dankbar.
Leben fetzt. Genießt es.

Gerade tierisch bewegte Grüße von
Julie~

I think I spider

Ich war schon immer gut darin, mich nachts vom Schlafen abzuhalten, wenn ich eigentlich irgendwo tief hinten in den dunklen Ecken meines Bewusstseins weiß, dass ich doch besser ins Bett gehen sollte.
Das fing schon in der Schule an, wurde in der Ausbildung nicht besser und selbst jetzt hat sich nichts daran geändert.
In letzter Zeit ist es aber hauptsächlich so, dass ich das nach einem durchgebrüllten Abend seitens meines kleinen Kackerchens und einem durchgewanderten meinerseits tatsächlich einfach zum runterkommen brauche – ein paar Minuten Zeit für mich, um zu friemeln und mal irgendwas mit ZWEI Händen zu erledigen… man sagt ja auch immer wieder, stricken sei meditativ.
Da ich vor kurzer Zeit bei YouTube ein Video übers Handspinnen für Anfänger gefunden habe, habe ich mich entschlossen, die Handspindel, die ich vor mehreren Jahren gekauft, ausprobiert und frustriert in die Wollkiste verbannt habe, vom Staub zu befreien und es nochmal mit genauerer Hilfe zu probieren (die besagte Hilfe findet ihr übrigens hier).
Das Ergebnis sieht bisher in etwa so aus:

image

Ich kenne mich zwar nicht aus, aber ich würde sagen, das geht in Ordnung. Ich bin zumindest bisher ganz zufrieden damit. Mal sehen, wie es weitergeht.

Mit meinen Socken geht es auch langsam voran. Auch hier ein kleiner Zwischenstand:

image

image

Angesichts des überall gegenwärtigen Katzenhaars bin ich beeindruckt, dass die Wolle noch nicht total weiß ist… aber ohne wäre es ja auch irgendwie unvollständig.
Ich liebe die Farbverläufe im Garn, gerade meiner Vorliebe für Lila entspricht das natürlich total. ♡

Einen guten Start in den Tag und haarige Grüße von
Julie~

Verzaubert…

… haben mich die Zauberbälle, die hier kürzlich eingezogen sind.
Ich kann mich entfernt erinnern, dass ich noch vor Kurzem etwas gesagt habe, das in etwa klang wie: „ich werde wohl erstmal alles angefangene wegstricken, bevor was neues auf die Nadeln kommt.“ Nur gut, dass ich noch leichte Still- und schwere Stressdemenzschäden vorschieben kann.
Ein weiterer guter Grund für die eklatante Missachtung meines Vorsatzes ist die Anschaffung einer neuen Stricknadel.
Ihr seht hier eine superminiwinzigmausefitzelkleine Sockenrundstricknadel von addi:

image

… und die muuuuuusste ich natürlich uuuuuuunbedingt (fast noch mehr, als die wunderschönen Zauberbälle) einfach mal ausprobieren.
Nachdem ich nun diverse Krämpfe in den Händen hinter mich gebracht habe, läuft es nach mittlerweile 26 Runden auch gar nicht mehr allzu angespannt; meine Schultern befinden sich beim Stricken vor Anstrengung nur noch wenige Zentimeter unter meinen Ohren und auch meine Zunge schafft es inzwischen immer öfter, nicht ständig vor lauter Konzentration an die frische Luft zu wandern.
Das bisherige Ergebnis seht ihr hier:

image

Auf dem Foto ist gut zu erkennen, dass meine langen Nägel zwecks Friemelei weichen mussten… da fehlt mir direkt etwas.
Ich muss sagen, dass es mit der Socke tatsächlich recht gut vorangeht… vielleicht werde ich ja in diesem Jahr doch wenigstens noch ein Strickstück fertigstellen.

Nackige Grüße von meinen Fingernägeln, die sich schrecklich amputiert fühlen und natürlich auch von
Julie~

Ich bin süchtig.

Warum sollte ich es noch leugnen? Ich kann nicht an Wolle vorbeigehen, ohne zumindest drin gewühlt zu haben. Heute war es wieder so weit: ich musste welche kaufen. Es ist ja nicht so, dass mich der Fakt, dass ich in den nächsten fünf Jahren wahrscheinlich nicht mal mehr dazu kommen werde, auch nur EIN Strickstück zu beenden, davon abhalten könnte.
Da war ich also beim Auszug aus der Alten Wohnung noch traurig, den süßen kleinen Wollladen eine Tür weiter zurücklassen zu müssen, als ich im Prinzip schon im Augenblick darauf feststellen durfte, dass hier sozusagen direkt um die Ecke ein Strick- und Nähcafé existiert. Lange Zeit bin ich immer nur mit gen Boden gerichtetem Blick an diesem Geschäft vorbeigehuscht, um ja nicht in Versuchung zu geraten, aber heute schien der Tag gekommen zu sein, sich draußen nur zwei hübsche reduzierte Knäuel zu greifen und drinnen wiiiirklich nur mal zu gucken und nach dem Bezahlen schnell abzudampfen.
… was soll ich sagen? Ich habe mich drinnen in vier andere Knäuel verliebt, musste die beiden ursprünglichen Opfer meines Wollrausches zurücklegen und bin ärmer, aber zufrieden, den Kinderwagen schiebend mit einem grenzdebilen Grinsen im Gesicht durch die Tür hinausspaziert.
Hier meine Eroberungen:

image

Darunter meine ersten Zauberbälle. Ich bin sooo gespannt.
Gestrickt habe ich heute trotzdem noch nicht. Genauso wenig, wie ich meine großen Pläne, drei Tonnen Gemüse zu verarbeiten und sie als Vorräte einzufrieren, in die Tat umgesetzt habe.
Was mich daran hindert? Nun… die Katze und der Knirps haben sich wohl mittlerweile zusammengetan, um mich erfolgreich an der Ausübung meiner abendlichen Muttizeit zu hindern.
Das sieht dann in etwa so aus:

image

Baby direkt am Bauch, Katze auf den Knien… die beiden scheinen sich tatsächlich Gedanken gemacht zu haben.
Nichtsdestotrotz muss ich nun zumindest das Pelzmonster aufscheuchen, um mich in die Federn zu begeben.

Müde Grüße an alle, die sich hierher verirrt haben
Julie~

Warum hat der Tag eigentlich nur 24 Stunden?

Meine Strickaktivitäten beschränken sich in letzter Zeit leider eher auf seltenere nächtliche Aktionen. Die Katze bewacht alles natürlich vorbildlich, wenn ich in der Nähe bin.
Koche ich jedoch -wie kürzlich- bis nachts um eins Brei (ja, wir essen mittlerweile schon so langsam Brei! =D), lasse ich das kleine Monster lieber nicht allzu lange allein mit meiner Wolle.

image

Auf dem Bild seht ihr neben einer aufdringlichen Katze meine erste Doubleface-Strickerei. Die dümpelt hier schon seit eineinhalb Jahren rum. Ich denke, ich sollte erstmal unvollendetes beenden, ehe ich wieder was neues beginne… vielleicht gelingt es ja. 😉

In den letzten Wochen begegnen mir immer wieder ein paar gesellige Zeitgenossen mitten in der Stadt:

image

Die Enten hier sind immer zu zweit unterwegs und ich begegne immer öfter mal einem Pärchen, nur leider habe ich nicht immer das Telefon dabei, um sie zu fotografieren… Manchmal fehlt auch einfach (wie so oft!) die dritte Hand.
Bisher habe ich es auch noch nicht geschafft, Meister Lampe, der hier immer umgeht, mal vor die Linse zu bekommen. Der Schlingel ist einfach zu gerissen!
Ich bleibe aber weiter aufmerksam.

Beschämte Grüße von der sich hoffentlich bald wieder öfter zu Wort meldenden
Julie~

Lost & Found

Beim Kramen in meinem Telefon fand ich heute folgendes:

image

Nachdem ich im letzten Jahr eine Erdbeermütze für die kleine Schwester meines Freundes stricken sollte, packte mich irgendwie das Erdbeerfieber. Dies war ein Symptom dessen.
Natürlich habe ich sie etwa nur drei Mal benutzt und dann wurde sie irgendwo begraben, aber jetzt, da ich sie hier so sehe, sollte ich sie vielleicht doch nochmals für einen vierten Versuch exhumieren.

Funkstille

Hier ist es im Moment mal wieder seeehr leise.
Leider komme ich genau so wenig zum Stricken wie zum Schreiben.
Neue Wolle hat es trotzdem wie durch Zauberhand in mein Körbchen geschafft.
Ich schätze mal, dass es irgendwann ein Mützchen wird… vielleicht in zehn kalten Wintern oder so. =P

image

Ich freue mich jedesmal, wenn ich sie sehe, schon riesig darauf, sie endlich verstricken zu dürfen. Vorfreude ist eben doch eine der schönsten Freuden.

Des weiteren fühle ich mich durch meine übermäßige Freude über eine weitere Neuanschaffung dazu genötigt, auch folgendes zu teilen: ich habe einen Reiskocher! Also es ist ein Plastiktopf für die Mikrowelle, aber ich liebe ihn und ich denke, wir werden demnächst heiraten.

image

Wenn also wieder Zeit ist und der kleine Zuckerkrümel irgendwann mal essen mitnehmen kanndarfsollmuss, ist das Zubereiten von Bentos nun tausendmal spaßiger! =D (oder so ähnlich)